Home > Ich bin > Wolf

Wolf

Der Wolf im Wolfsrudel

Der Wolf und der Menschen

  • Der Wolf polarisiert! Einige empfangen ihn mit offenen Armen, andere mit der Schrottflinte.
  • Der „böse Wolf“ = Der Wolf als Konkurrent und Schädling für den Menschen (für die menschliche Viehzucht).
  • Der gute Wolf = Der Hund. Alle heute bekannten Hunderassen stammen ursprünglich vom Wolf ab.
  • Nach jahrhundertelanger Verfolgung der Wölfe in Deutschland und der daraus folgenden Ausrottung kehren die Wölfe langsam nach Deutschland zurück.
  • 1998 wurden erstmals Wölfe auf dem Truppenübungsplatz in der Lausitz gesichtet.
  • Die Wölfe in Deutschland kamen wahrscheinlich aus der Wolfspopulation im osten Polens.
  • Bemerkenswert dabei ist, dass der Wolf in Deutschland sich selbst wiederansiedelt.

Der Wolf ist ein großer Vertreter der Familie der Hundeartigen (Canidae).

Es ist nicht genau bekannt, wann sich der Haushund (Canis lupus familiaris) entwicklungsgeschichtlich von dem Evolutionszweig des Grauwolfs (Canis lupus lupus) abgespalten hat. Doch muss dies bereits vor mehr als 100.000 Jahren geschehen sein.

Möglicherweise wurde der Mensch von Wölfen verfolgt, die sich von Überbleibseln der Jagdbeute des Menschen ernährten. Mit der Zeit opferten sie ihre Freiheit im Austausch mit jenen Resten. Aber nicht nur der Hund, zu dem jene Wölfe mit der Zeit wurden, profitierten von diesem Tausch. Mit der Zeit lernte der Hund, dem Menschen behilflich zu sein, in dem er die Herden domestizierter Tiere vor Räubern hütete und manchmal gar den Menschen vor Tieren schützte.

Der Wolf hat die Fähigkeit in den unwirtlichsten Klimata zu überleben. Der Polarwolf überdauert den arktischen Winter, in dem fortwährende Dunkelheit vorherrscht. Selbst im Februar, wenn die Sonne allmählich im hohen Norden wieder über den Horizont steigt, sind Temperaturen von -40°C und heftige Winde alltäglich. Andere Untergattungen des Wolfes sind beispielsweise in heißen Wüsten zuhause. Die gesamte Hemisphäre der Nordhalbkugel war besiedelt von dem Wolf.

Der Wolf im Wolfsrudel

  • Der Wolf im Wolfsrudel als ein Familienverbund.
  • Generell bleiben Wölfe ein lebenlang mit dem Partner zusammen.
  • Wölfe sorgen für einen sauberen Genpool.
  • Die Wolfseltern dominieren den Nachwuchs, Rangordnungskämpfe gibt es im Wolfsrudel nicht.
  • Die Welpen lernen von ihren älteren Nachkommen und den Eltern.
  • Das Elternpaar kann die jungen und stürmischen Wölfe auch zurechtweisen.
  • Der Wolfsvater zeigt seinen hohen sozialen Status durch örtliche Positionen, Körperhaltung, Mimik und kleine Gesten. Beim Liegen bevorzugen sie vielfach auch eine grössere Individualdistanz (Bereich um einen Wolf, in dem er situationsbedingt keinen anderen duldet).
  • Die Wolfsmutter muss nicht der grösste und stärkste Wolf im Wolfsrudel sein, sondern er zeichnet sich durch seine Erfahrung, Ruhe und einer gewissen Überlegenheit aus.
  • Kämpfe und Aggressionen im Wolfsrudel werden nach Möglichkeit vermieden.

Steckbrief

Name: Wolf
Lateinischer Name: Canis lupus
Klasse: Säugetiere
Größe: 1,1 – 1,5m
Gewicht: 30 – 60kg
Alter: 7 – 12 Jahre
Aussehen: weiß, schwarz, grau
Geschlechtsdimorphismus: Ja
Ernährungstyp: Fleischfresser (carnivor)
Nahrung: Hirsche, Kaninchen, Mäuse, Rinder, Schafe, Wildschweine
Verbreitung: Asien, Osteuropa, Nordamerika
ursprüngliche Herkunft: unbekannt
Schlaf-Wach-Rhythmus: tag- und nachtaktiv
Lebensraum: Halbwüsten, Kältesteppe, Wälder
natürliche Feinde: /
Geschlechtsreife: mit 2 – 3 Jahren
Paarungszeit: Januar – Februar
Tragzeit: 60 – 75 Tage
Wurfgröße: 1 – 10 Jungtiere
Sozialverhalten: Rudeltier
Vom Aussterben bedroht: Nein

Besonderheiten

  • Druck der Kiefer Eckzähne 150 kg/cm3
  • Streifzüge bis zu 60 km pro Nacht ( nachgewiesen bis 190km)
  • Spitzengeschwindigkeit 45 bis 50 km/h
  • Schwimmer sehr gut
  • Nachtsichtigkeit hervorragend
  • Blickwinkel 250° (180° beim Menschen)
  • entdeckt ein Tier auf 270 m gegen den Wind
  • Gehör hört Töne bis 40 kHz (20 kHz beim Menschen)
  • kann andere Wölfe auf eine Distanz von 6,4 bis 9,6 km heulen hören
  • Herzfrequenz 90 Schläge/Minute, bei grosser Anstrengung bis 200 Schläge/Minute
  • Atemfrequenz 15-20/Minute, steigert sich bis auf 100 beim Hecheln

Interessantes über den Wolf

Wolf

  • Alle heute bekannten Hunderassen stammen ursprünglich vom Wolf ab. Die Domestizierung (Zähmung und Züchtung) begann vor ca. 80.000 Jahren durch den Menschen.
  • Wölfe leben und jagen in Rudeln. Innerhalb eines Rudels sind die Tiere meist miteinander verwandt (Eltern + Kinder). Geschlechtsreife Wölfe verlassen das Rudel nach einiger Zeit, um in einem fremden Revier selbst ein Rudel zu gründen.
  • Hinsichtlich der Nahrung zeigen sich Wölfe nicht wählerisch. Das Beutespektrum ist abhängig vom jeweiligen Vorkommen im Lebensraum und variiert deswegen stark.
  • Der Geruchssinn ist, wie beim Haushund auch, der am besten entwickelte Sinn des Wolfes.
  • Durch Schutzmaßnahmen erholen sich die mitteleuropäischen Wolfsbestände kontinuierlich. Aktuell leben etwa 15.000 Wölfe in Mitteleuropa.
  • Wölfe vermeiden den Kontakt mit Menschen.
  • Das typische Wolfsheulen hat den Zweck das Revier (akustisch) zu markieren, den Zusammenhalt des eigenen Rudels zu stärken, und mit anderen Wölfen in Kontakt zu treten. Ein Zusammenhang zwischen Vollmond und Wolf existiert dagegen nicht. Das Wölfe den Vollmond anheulen, konnte wissenschaftlich nicht bestätigt werden.
  • Wölfe wechseln ihr Fell zweimal jährlich (Sommerfell = kurz; Winterfell = lang). Farblich treten bei den Wölfen erhebliche Farbvarianten auf. Der Polarwolf etwa ist komplett weiß, womit er optimal an seine schneereiche Umgebung angepasst ist.
  • Um das Körpergewicht zu halten, muss ein Wolf täglich 10% seines Eigengewichts fressen. Ein 40kg schwerer Wolf benötigt demnach 4kg Fleisch pro Tag, und 1460kg im Jahr.
  • Nach einer Tragzeit von zwei Monaten gebärt eine Wölfin zwischen 4 und 9 Welpen.

Verhalten des Wolfes

Das Heulen

Kaum ein anderes tierisches Verhalten hat den Menschen in dem Maße in den Bann gezogen, wie es das Wolfsheulen getan hat und immer noch tut. Den einen erfüllt es mit Schaudern, während der andere fasziniert dem „Gesang“ der Wölfe lauscht. Kaum ein anderer Laut ist in Grusel- und Horrorfilmen so oft verwendet worden wie das Heulen des Wolfes. Doch ungeachtet der emotionalen Wirkung des Heulens auf uns Menschen, hat sich die Verhaltensforschung dieser Lautäußerung angenommen und viel über seine Funktion herausgefunden.

heulender wolfBei der Fernkommunikation mit anderen Rudeln spielt das Heulen eine sehr wichtige Rolle. Hier wird es zum Ausdruck der Inanspruchnahme des Territoriums eingesetzt. Gerade wenn Beute geschlagen wurde, wird sofort auf das Heulen eines entfernten Rudels geantwortet. Damit wird die Bereitschaft kundgetan, diese Ressource gegebenenfalls zu verteidigen. Sind anderenfalls die Eindringlinge jedoch schon nah, unterbleibt die Beantwortung des Heulens. Stattdessen werden Kundschafter entsandt, die sich ihnen lautlos nähern und die Situation begutachten.
Dieses Verhalten zeigen Wölfe auch um ihre Höhle, da auch dieser Ort einen Platz hoher Schutzbedürftigkeit darstellt, da sich in der Höhle die hilflosen Welpen des Rudels befinden.

Innerhalb des Rudels erfüllt das Heulen eine andere Funktion. So dient spontanes gemeinschaftliches Heulen der Förderung des Zusammenhalts des Rudels und wirkt der Eskalation von Auseinandersetzungen entgegen. Es ist logisch, dass das gemeinschaftliche, spontane Heulen meist von den rangniederen Tieren eingeläutet wird.
Aber auch zum Synchronisieren von Verhaltensweisen wird das heulen eingesetzt. So stimmt der Alpha-Rüde mit Geheul das Rudel zur Jagd ein.
Jeder Wolf verfügt über ein individuelles Klangspektrum, an dem er eindeutig von den anderen Rudelmitgliedern zu identifizieren ist. Somit dient es auch zur Zusammenführung einzelner verstreuter Rudelmitglieder. Dabei ist zu beobachten, dass die ranghöheren Wölfe in einem niedrigeren Klangspektrum heulen als die Rangniederen.
Es soll sogar schon beobachtet worden sein, dass rangniedere Wölfe durch Imitation des Geheuls eines Ranghöheren ihre Stellung zu verbessern versuchten. Diese „Betrüger“ sollen dann verstoßen worden sein. Jedoch ist diese Information noch strittig, da ich noch keine anerkannten Quellen finden konnte.

Die Wissenschaft mag das Heulen des Wolfes wohl erklären können, dennoch bleibt die Faszination auf den Menschen bestehen.

Die Körpergestik

Die Kommunikationsfähigkeit hat bei Spezies, die in sozialen Verbänden leben eine zentrale Rolle − so auch beim Wolf. Hierfür bedient er Gestiksich neben dem Heulen auch der Körpergestik, mit der er den anderen Stimmungslagen mitteilen kann. Dabei nimmt er unterschiedliche Körperhaltungen ein und setzt unterschiedliche Gesichtsmimiken ein.

Die Alphas erkennt man im normalen Rudelalltag daran, dass sie mit erhobenem Kopf und leicht angehobenem Schweif umhergehen. Dabei strahlen sie eine Selbstsicherheit aus, die keinen Zweifel an ihrer Vormachtstellung lässt. Ein rangniederer Wolf wird stets eine Unterwürfigkeitsgeste einnehmen, wenn sich ihnen ein ranghöheres Exemplar nähert. D.h. er legt seine Ohren an, macht seinen Rücken etwas krumm und hält seinen Schweif niedrig. Zeigt der Dominantere aggressive Tendenzen, wird er versuchen, die Mundwinkel des Ranghöheren zu belecken, um ihn zu beschwichtigen. Damit ahmt er das Verhalten eines Welpen nach, der um Futter bettelt, um so seiner Unterwürfigkeitsgeste Nachdruck zu verleihen.
Bei einem noch stärkeren Ausdruck der Unterwürfigkeit legt sich der sich unterwerfende Wolf auf die Seite, klemmt seinen Schweif zwischen seine Hinterläufe unter den Bauch und entblößt seinen Hals. Damit ergibt er sich voll und ganz dem dominanten Wolf.

Bei einem Streit rangunterschiedlicher Wölfe z.B. um Beute oder einen bevorzugten Schlafplatz reagiert der Dominante mit Drohgebärden. Dann steht er mit steifen Beinen vor dem Kontrahenten, richtet seine Ohren auf, hebt seinen Schwanz, bis er steil aufrecht steht und fixiert ihn mit einem starren Blick. Lässt der Kontrahent sich davon nicht beeindrucken, sträubt sich zudem das Nacken- und Rückenfell. Dabei hebt er seine Lefzen, entblößt seine Eckzähne und gibt ein tiefes Knurren von sich.
Oben rechts sind einige Gestiken illustriert.

Das Jagdverhalten

Der Wolf steht an der Spitze der Nahrungskette und ist wie alle Raubtiere für rennender Wolfsein Überleben auf das Erbeuten von anderen Tieren angewiesen. Als Rudeltier ist es ihm möglich, Beute zu reißen, die um ein Vielfaches größer ist als er. So gehören Rot- und Schwarzwild wie Damwild bis hin zu Elchwild zu seinen Beutetieren. Jedoch ist der Wolf in der Wahl seiner Beute nicht sehr wählerisch. Neben genannten Tieren gehören auch Nagetiere und sogar auch Obst zu den Nahrungsquellen. Auch sind sie sich nicht zu fein, an Aas zu gehen oder Mülldeponien nach etwas Fressbarem zu durchstöbern. Allerdings kommt der Wolf wegen seiner Vorliebe zu Schafen und anderen Haustieren häufig in Konflikt mit den Interessen des Menschen, was letztlich fast zu seiner Ausrottung geführt hat. Jedoch gerade in der Zeit, wo er seine Welpen aufzieht, wo der Nahrungsbedarf recht hoch ist, sind die leicht zu erbeutenden Tiere eine bevorzugte Beute.

Oft wandern Wölfe auf der Suche nach einem Beutetier tagelang umher, welches sie mit ihrer Nase aufspüren. Der Wolf verfolgt eine andere Jagdstrategie als Raubkatzen, die sich zumeist an ihre Beute heranschleichen und in einem kurzen, kraftvollen Sprint einholen und erlegen. Der Wolf ist ein typischer Hatzjäger; sein ganzer Körper ist auf kilometerlange Verfolgungen ausgerichtet. Das bedeutet jedoch nicht, dass Wölfe kopflos hinter irgendwelchen Tieren herjagen. Sie verfolgen dabei ausgeklügelte Jagdstrategien, bei denen die topographischen Besonderheiten der jeweiligen Landschaft mit einbezogen werden.
Vor einer Jagd verteilen sich die Rudelmitglieder geschickt in der Umgebung, um der Beute mögliche Fluchtwege abzuschneiden. In den Bergen Rumäniens konnte beobachtet werden, wie ein Wolfsrudel, welches einen Hirsch bejagte, das Beutetier geschickt über mehrere Kilometer hinweg in steile Täler lenkte, aus dem es für das erschöpfte Tier kein Entrinnen mehr gab.
In den meisten Fällen entkommen aber die Beutetiere ihren Häschern, bevor sie nahe genug an sie herangekommen sind.

Bei einem Übergriff auf eine Schafsherde konnte beobachtet werden, wie sich zunächst zwei Wölfe offen präsentierten, die sogleich von den Hirtenhunden attackiert wurden. Erst als die Hunde so von der Herde weggeführt wurden, tauchten die anderen Rudelmitglieder auf, die sich dann der Herde annahmen.

Hat das Rudel ein großes Huftier erbeutet, steht ihm für eine kurze Zeit fressender WolfNahrung in Überfluss zur Verfügung. Ein Wolf benötigt durchschnittlich pro Tag ca. 2kg Fleisch. Jedoch ist er in der Lage mehr als 11kg an einem Tag aufzunehmen. Dies gelingt ihm, weil der Verdauungsapparat eines Wolfes für die rasche Aufnahme auch von größeren Mengen angepasst ist. Dies befähigt ihn, auch längere Perioden ohne Nahrung durchzustehen.
Auch wenn Wölfe hervorragende Jäger sind, ist nicht jede Jagd erfolgreich. Biologen in Nordamerika konnten ermitteln, dass etwa nur 5% der Jagden auf Elche von Erfolg gekrönt waren. Denn im Laufe der Evolution haben auch die Beutetiere Fluchtstrategien und auch Waffen entwickelt, die es ihren Häschern sehr schwierig macht. So sind die spitzen Vorderhufe von Hirschen gefährliche Waffen, die einen Wolf lebensgefährlich verletzen können. Daher profitieren Wölfe als Hetzjäger vor allem von kranken und schwachen Tieren.

 

Mythos Wolf

Mythen, Legenden und Märchen

Kaum ein anderes Tier wurde in die Mythenwelt der Urvölker der Nordhalbkugel so tief integriert, kaum ein anderes hat in ihrer Kulturgeschichte so eine große Rolle gespielt wie der Wolf (Canis lupus). Wo immer er mit dem Menschen in Kontakt kam, hat er Märchen und Legenden beeinflusst, in denen ihm stets eine mystische Rolle zukam. In der germanischen Mythologie begleiteten stets zwei Wölfe, Geri und Freki, den Toten- und Kriegsgott Wotan. Jedoch Transformationverhieß ihm die Mythologie, dass er beim Weltuntergang vom Fenriswolf verschlungen würde.
Romulus und Remus, die Gründer Roms, wurden der römischen Sage nach von einer Wölfin gesäugt und beschützt, bis sie vom Schäfer Faustulus gefunden und großgezogen wurden.
Die Indianer Nordamerikas sahen in dem Wolf einen Bruder und fühlten sich gar Wolfsclans zugehörig. Und auch die Daker, ein Urvolk des heutigen Europas, welches in der Gegend des heutigen Rumäniens lebte, verehrten den Wolf und trugen sein Symbol auf ihrer Kriegsflagge.

Das Bild änderte sich jedoch, als der Mensch sesshaft wurde und begann, lebende Tiere quasi als „lebende Vorratskammer“ zu halten. Plötzlich trat der Wolf in direkte Konkurrenz zu dem Menschen, was dazu führte, dass sein Bild gerade ins TransformationGegenteil verklärt wurde. Waren dem Wolf ursprünglich positive Eigenschaften zugeschrieben, wurde er zum Inbegriff des Bösen. In Fabeln und Märchen tauchte er von nun an als der dumme, gefräßige und bösartige Isegrim auf. Die Märchen von Rotkäppchen und den sieben Geißlein wird wohl jeder aus seiner Kindheit kennen, in denen er die sieben Geißlein oder des Rotkäppchens Großmutter fraß.
Selbst die Kirche verteufelte den Wolf. Und die Dämonisierung dieses Raubtiers passte gut in das damalige Weltbild, in dem sehr bald zu Hexenglauben und Inquisition das Bild des Werwolfes hinzukam. Der Mensch im Wolfspelz war geboren, der für bestialische Morde verantwortlich gemacht wurde und für die tiefsten Abgründe des menschlichen Seins stand. Sex und Vergewaltigung, Mord und Totschlag, Blutrausch und Unglaube waren die Insignien des Werwolfes und viele Legenden rankten sich um Menschen mit vermeintlicher Lykanthropie. Im Zeitalter der Aufklärung verschwand die mystische Dämonisierung des Wolfes weitgehendst wieder. Jedoch hält sich der Begriff des Werwolfs, angeheizt durch Horrorfilme im Fernsehen und Romane, in unserer Gesellschaft. Insbesondere in isolierten und ländlichen Gebieten Süd- und Osteuropas wird immer noch an Werwölfe geglaubt.

Auch in jüngerer Vergangenheit wurde sich der Symbolik des Wolfes für Kraft und Macht bedient. So nannte Adolf Hitler sein Hauptquartier in Ostpreußen „Wolfsschanze“. In der Türkei nennt sich eine rechtsextreme Partei „Graue Wölfe“, und wer heute das Internet nach Wölfen durchsucht, findet immer wieder Seiten mit schamanischem Inhalt, die sich an die Mystik des Wolfes anlehnen.

http://www.canilobo.de/de/wolf/mythen.php

Brüder Grimm: Der Wolf und die sieben jungen Geißlein

Martin Luther (1483 –1546):  „Wolf und Lämmlein“
Ein Wolf und ein Lämmlein trafen sich zufällig an einem Bach, um zu trinken. Der Wolf trank oben am Bach, das Lämmlein aber weit entfernt unten. Als der Wolf das Lämmlein sah, lief er zu ihm und sprach: „Warum trübst du mir das Wasser, dass ich nicht trinken kann?“ Das Lämmlein antwortete: „Wie kann ich dir das Wasser trüben? Du trinkst doch oberhalb und könntest es mir eher trüben.“ Da sprach der Wolf: „Wie, beleidigst du mich auch noch?“ Das Lämmlein antwortete: „Ich beleidige dich nicht.“ Daraufhin sagte der Wolf: „Dein Vater hat das vor sechs Monaten ebenfalls getan, und du willst dich als Vater zeigen.“ Das Lämmlein antwortete: „Damals war ich noch nicht geboren. Warum soll ich für meinen Vater büßen? „Da sprach der Wolf: „Du hast mir aber meine Wiesen und Äcker abgenagt und verdorben.“ Das Lämmlein antwortete ihm: „Wie kann das möglich sein, da ich doch noch keine Zähne habe?“ –„Nun gut“, sagte der Wolf, „auch wenn du gut begründen und reden kannst, werde ich doch heute nicht ohne Fressen bleiben.“ Und er würgte das unschuldige Lämmlein und fraß es auf.

Lehre: So ist der Lauf der Welt. Wer fromm sein will, muss leiden, wenn einer Streit sucht. Denn Gewalt steht über dem Recht. Wenn man dem Hund übel will, hat er das Leder gefressen. Wenn der Wolf es so will, ist das Lamm im Unrecht.
(Aus: Fabeln aus drei Jahrtausenden. Ausgewählt von Reinhard Dithmar. Zürich 1976, S. 79f.)

 

Der Werwolf

Was ist ein Werwolf?

In vielen abendländischen Kulturkreisen der Antike und des Mittelalters bis hin zur Neuzeit findet man den Begriff des Werwolfs. So wird diese Sagengestalt im skandinavischen Raum mit `Varulv‘, im französischen mit `loup-garou‘ und in Irland mit `fáelad‘ bezeichnet. In der Literatur wird der Werwolf aber auch häufig als `Mannwolf‘ bezeichnet und als Mensch in Tiergestalt beschrieben. Ebenso mannigfaltig wie die Epochen und Kulturkreise sind Bedeutung aber auch jeweilige Ursprungsquellen dieser Mythen- und Sagengestalten. Im folgenden möchte ich einige kurz umreißen:

  • Werwolf der Antike:
    In der Antike war der Glaube an Wolfsmenschen weit verbreitet. Die Helenen nannten ihn Lykanthropos (`Waldmensch‚).

    lycaon
    Abb. 1: Lycaon wird von Zeus zur Strafe in einem Wolf verwandelt.

    Herodot berichtete im 5. Jh. v. Chr., die `Neuren‘, die ein Gebiet nördlich der Skythen bewohnten, hätten die Macht, sich für einige Tage im Jahr in Wölfe zu verwandeln. Es ist diskutiert worden, dass das vielleicht mit der für südländische Augen ungewohnten Kleidung der Fremden aus Pelzwerk zusammenhängen könnte.
    Auch in dem antiken Griechenland war der Werwolfglaube sehr lebendig. Lycaon, König der Arkadier, wurde aufgrund seiner unmenschlichen Grausamkeit von Zeus in einen Wolf verwandelt, der fortan ruhelos durch die Wälder umherstrich. Die Sage der Verwünschung Lycaons hängt stark mit Menschenopfern zusammen, die auf dem Gipfel des Lycaion, dem Wolfsberg, dem Gott Lycaios Zeus bis ca. 400 v. Chr. dargeboten wurden. Es hieß, jeder, der von dem Opferfleisch aß, wäre dazu verdammt 10 Jahre als Wolf umher zu irren, bevor er seine menschliche Gestalt zurückerhielt.

  • Nordischer Werwolf:
    In der altnordischen Überlieferung ist der Werwolfbegriff an den der Berserker und des zur Friedlosigkeit Geächteten angelehnt. Solche wurden als Kveldulfr (`Nachtwolf‚) bezeichnet. Der Vater des Skalden Egil soll ein solcher gewesen sein. Auch König Siggeirs Mutter soll sich, der Sage nach, in einen Bären verwandelt haben können.
  • Werwolf des Mittelalters:
    Im Mittelalter kursierten die wildesten Werwolf-Geschichten. Dies ging einher mit der Darstellung des zum `Nahrungskonkurrenten‚ gewordenen Wolfes als Sinnbild des Bösen, sogar als Satan selbst, der seinen Vasallen die Fähigkeit gab, sich in Wölfe zu verwandeln und in dieser Gestalt das Vieh zu töten und Menschen anzufallen. Dieser Prozess der Verteufelung hatte seinen Höhepunkt zur Zeit der Inquisition und hielt lange Zeit danach noch an. Um die Boshaftigkeit noch zu unterstreichen, sprach man dem Werwolf sämtliche triebhaften Sünden und schlechte Charaktereigenschaften der Menschen wie Sodomie, Habgier, Mordlust, Raub, usw. zu. Dabei wurde anscheinend der Begriff des Werwolfs auf alle in Tiergestalt gehüllten Menschen ausgeweitet. Wie bei dem gleichzeitig herrschenden Hexenwahn reichten geringste Beschuldigungen aus, um einen „Werwolf“ auf den Scheiterhaufen zu bringen. Die Werwolfprozesse waren eine Farce, deren Urteile de facto schon feststanden, bevor man den Beschuldigten unter Zuhilfenahme sämtlicher Methoden der peinlichen Befragung ihre Geständnisse abgepresst hatte. Die darunter geschilderten Details sowohl sexueller Vergehen als auch grausamster Tötungsdelikte der angeklagten Werwölfe führten zu einer unwahrscheinlichen Aufwertung der ohnehin schon kursierenden Sagen und Legenden. Die bei mittelalterlichen Werwolfprozessen aufgeführten Fälle bewirkten eine Bekräftigung des seit der Antike bekannten Werwolfglaubens.
  • Moderner pseudowissenschaftlicher Werwolf:
    Selten wird der Werwolf als Zwitterwesen aus Mensch und Wolf betrachtet, dessen Definition ich in meinen Romanen Die Wa’Drán-Chroniken I – Metamorphosis und Die Wa’Drán-Chroniken II – Ultor zugrunde lege. Diese Definition schließt eine fundamentale Eigenschaft der klassischen Werwolf-Definition aus − die des reversiblen Shapeshiftings.
    Im Rahmen des sich wandelnden Leumunds des Wolfes und der steigenden Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung findet man hier erstmalig Werwölfe mit positiven Eigenschaften, die sich in erster Linie durch ihre Naturverbundenheit auszeichnen. Dieses Merkmal soll durch Verschmelzung von Tier und Mensch unterstrichen werden. Allerdings überwiegt auch hier die Vorstellung des Werwolfes als reißerische Bestie, die mordend durch ihr Revier irrt.
flash_1 Werwolf Werwolf flash_2

Wie entstand die Bezeichnung Werwolf?

Nun, es gibt viele Kulturen, in deren Mythologie Manntiere, halb Mensch halb Tier, vorkommen. Gewöhnlich war das Tier ein großes Raubtier, welches bei Nacht jagt. Werkreaturen nehmen oft die Gestalt des gefährlichsten Tieres des jeweiligen Gebietes an. So gibt es in Indien Wertiger, in Afrika Werleoparden; die berühmtesten Werkreaturen sind jedoch die Werwölfe aus Mitteleuropa.
Die Silbe `Wer‘ kommt von dem alt-englischen Wort `wer‘, welches Mann bedeutet. Daher Werwolf ↔ Mannwolf

Der Wolf HEUTE

Erneut Wolf in Deutschland gesichtet: Warum sich das Tier bei uns wieder wohl fühlt

Lange schien es, als wäre der Wolf vom Menschen in Deutschland ausgerottet – doch nun kehrt er wieder zurück, wie der „Naturschutzbund Deutschland“ auf seiner Webseite schreibt.

Links

wadran-chroniken
  • Seiten zu „Die Wadŗán-Chroniken”             (Gesetzt am 04. Juli 2019)
    Interessante Informationen und Materialien zur Romanreihe „Die Wadŗán-Chroniken”, Illustrationen und Charakterbeschreibungen.

Wolfsseiten

Wolfcountry
  • http://www.wolfcountry.net             (Gesetzt am 30. November 2001)
    The Richard E. Flauto Wildlife Foundation. Diese Seite ist zwar in Englisch, ist jedoch sehr umfangreich, übersichtlich und informativ.
Wolves
Wolves-de
  • http://www.wolves.de             (Gesetzt am 04. November 2002)
    Die German Wolf Association e.V. ist ein Verein, der sich den aktiven Schutz des Wolfes zur Aufgabe gemacht hat. Auf dieser Homepage stellt sich der Verein zunächst vor und berichtet über die Projekte des Vereins. Darüber hinaus werden nebst einer Wolfsgalerie News rund um das Thema Wolf offeriert.
canislupus
  • http://www.canislupus.de            (Gesetzt am 22. November 2007)
    Canislupus ist eine hervorragende Internetpräsenz, die sich die Vermittlung von Wissen über Wölfe zur Aufgabe gemacht hat. Der Besuch dieser Webseite ist sehr empfehlenswert.